„Dancing the Faith – Drumming up Hope“: DIAKONIA-Weltversammlung in Moshi
Veröffentlicht am 21.07.2025
Mit Tanz, Trommeln und tiefen theologischen Impulsen ist die DIAKONIA-Weltversammlung 2025 in Moshi, Tansania, zu Ende gegangen. Bei der Delegiertenversammlung wurde Rev. Marlene Britton zur neuen Präsidentin von DIAKONIA WORLD gewählt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bewegung auf dem afrikanischen Kontinent wurden 16 Diakonissen und Heimatmissionare der United Methodist Church feierlich eingesegnet. Der Kaiserswerther Verband – als eines der größten Mitglieder dieses internationalen Netzwerks – war mit einer starken Delegation vor Ort vertreten und war Teil des weltweiten Austausches über diakonisches Handeln.
Moshi, die lebhafte Stadt am Fuße des Kilimandscharo, war vom 7. bis 12. Juli Schauplatz eines besonderen Ereignisses: der ersten DIAKONIA-Weltversammlung auf dem afrikanischen Kontinent. Unter dem Motto „Dancing the Faith – Drumming up Hope“ trafen sich Delegierte, Diakonissen, Diakoninnen, Diakone, Mitglieder diakonischer Gemeinschaften und Gäste aus vielen Ländern, um in Zeiten globaler Krisen ein Zeichen der Gemeinschaft, Hoffnung und Gerechtigkeit zu setzen.
Prof. Dr. Jerry Pillay, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, beschrieb die gegenwärtigen Herausforderungen als „Polykrise“ – ein Zusammentreffen von zunehmender Ungleichheit, globaler Klimakrise, wachsendem Populismus und zahlreichen gewaltsamen Konflikten. „Diese ernüchternde Liste an Krisen scheint einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte oder zumindest eine historische geopolitische Neuausrichtung anzudeuten,“ erklärte er. Zugleich betonte er die Rolle der Kirchen: „Christlicher Dienst kann uns alle einbeziehen und Gemeinschaft unter denjenigen schaffen und pflegen, die dienen, sowie mit denen, denen wir dienen.“ Er rief dazu auf, Diakonie nicht nur als wohltätige Hilfe, sondern als transformative Kraft für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung zu begreifen.
Auch das Thema Geschlechtergerechtigkeit erhielt auf der Versammlung ein prominentes Podium. Diakonisse Mable K. Sichali aus Sambia schilderte eindringlich die Herausforderungen, mit denen Frauen in Afrika und weltweit konfrontiert sind. „Geschlechtergerechtigkeit ist keine optionale Wohltätigkeit, sondern ein wesentliches Menschenrecht“, betonte sie. Sie sprach über die drängenden Probleme wie ungleiche Bezahlung, eingeschränkte Bildungschancen und geschlechtsspezifische Gewalt und mahnte: „Dies sind nicht nur Statistiken, sondern sie stellen eine moralische Krise dar, die unser sofortiges Handeln erfordert.“ Diakonischer Dienst, so Sichali, bedeute daher nicht nur Nächstenliebe, sondern Gerechtigkeit.
Ein eindrücklicher Impuls kam von Rev. Damon Mkandawire, Mission Secretary for Ecology and Economy beim Council for World Mission (CWM). In seinem Vortrag beleuchtete er das Thema Umweltgerechtigkeit als geistlichen Auftrag. „Ökologische Ungerechtigkeit ist eine spirituelle Krise,“ erklärte Mkandawire und plädierte dafür, Umweltzerstörung nicht nur als politische oder technische Herausforderung, sondern als theologische Frage zu verstehen. Mkandawire appellierte an die DIAKONIA-Gemeinschaft, prophetisch zu handeln und „Pilgrims of Justice“ zu werden – Suchende, die sich im Gehen verwandeln und gemeinsam für Klimagerechtigkeit eintreten.
Ein weiterer Höhepunkt war die Einsegnung von insgesamt 16 Diakonissen und Home Missioners der United Methodist Church. Es war das erste Mal in der Geschichte dieser Kirche, dass eine solche Einsegnung auf dem afrikanischen Kontinent stattfand. In ihrer Begrüßung sagte die scheidende DIAKONIA-Präsidentin Sandy Boyce: „Heute Abend feiern wir auch den Start der Diakonissen- und Heimatmissionarsbewegung in Afrika. Wir feiern die vier Diakonissen/Heimatmissionare der Region Afrika, die in den letzten Jahren geweiht wurden, und wir freuen uns, den ersten Weihegottesdienst der United Methodist Church auf dem afrikanischen Kontinent miterleben zu dürfen“. Der Gottesdienst wie auch der festliche Eröffnungsgottesdienst war geprägt von afrikanischen Trommelrhythmen, Gesang und Tanz – Ausdruck jener Spiritualität, die der gesamten Versammlung ihren besonderen Charakter verlieh.
Nach zwölf Jahren Amtszeit verabschiedete sich Präsidentin Sandy Boyce mit bewegenden Worten. In ihrer Predigt zu Beginn der Versammlung sprach sie vom Bild des „göttlichen Tanzes“: „Der göttliche Tanz ist kein geschlossener Kreis, sondern ein Tanz, zu dem wir alle eingeladen sind. Die ausgestreckte Hand lädt weitere Menschen ein, sich dem Tanz anzuschließen.“. Sie rief dazu auf, den Kreis der Gemeinschaft zu erweitern und neue Menschen in die Bewegung einzubeziehen.
Die Mitgliederversammlung wählte Rev. Marlene Britton zur neuen Präsidentin. Die Diakonisse und Pfarrerin der United Church of Canada bringt eine bemerkenswerte internationale Biografie mit: Geboren in Jamaika, war sie in Belize, Barbados und Kanada tätig und engagierte sich in verschiedensten Bereichen der diakonischen Arbeit – etwa in Bildungsprogrammen, der Flüchtlingshilfe oder als Militärseelsorgerin.
Auch organisatorisch markierte die Versammlung eine Weiterentwicklung: Satzung, Geschäftsordnungen und Stellenbeschreibungen wurden aktualisiert. In einer Zeit multipler Krisen soll DIAKONIA WORLD noch stärker zu einer Plattform des Austauschs und der Solidarität werden.
Mit Marlene Britton an der Spitze geht es für den DIAKONIA-Weltbund weiter – inspiriert von der Spiritualität Afrikas, gestärkt durch gelebte internationale Gemeinschaft und getragen vom gemeinsamen Anliegen, in einer verletzlichen Welt prophetisch Zeugnis abzulegen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reisten mit neuem Schwung in ihre Heimatländer zurück – nicht ohne sich zuvor zur nächsten Weltversammlung im Jahr 2029 auf den Philippinen zu verabreden.
Der Kaiserswerther Verband (KWV) fördert die diakonische Arbeit in der Tradition der Mutterhausdiakonie Kaiserswerther Prägung. Er stärkt die diakonische Identität und entwickelt sie weiter, schafft Räume für Austausch und Gemeinschaft und unterstützt seine Mitglieder in ihrer Vernetzung. Seit über 100 Jahren bildet der KWV ein starkes Netzwerk diakonischer Kompetenz und christlicher Nächstenliebe. Er vertritt die Interessen seiner 70 Diakonieunternehmen und Diakonischen Gemeinschaften in Gesellschaft, Kirche und Diakonie.
Kontakt:
Pfarrerin Susanne Munzert,
Geschäftsführerin des Kaiserswerther Verbandes und Generalsekretärin der Kaiserswerther Generalkonferenz
Landhausstraße 10, 10717 Berlin
Tel.:+49.(0)30.8642.4170
E-mail: verband@kaiserswerther-verband.de
Ansprechpartner/in
Pfarrerin Susanne Munzert
Kaiserswerther Verband deutscher Diakonissen-Mutterhäuser e.V.
Landhausstraße 10
10717 Berlin
Deutschland
- Telefon:
- 030/86424-170
- Fax:
- 030/86424-169
- E-Mail:
- verband@kaiserswerther-verband.de
- Web:
- www.kaiserswerther-verband.de
