Westkonferenz des Kaiserswerther Verbandes tagt am 24. und 25. Februar 2026 in Freudenberg

Veröffentlicht am 10.03.2026

Schwerpunkt „kirchliche Anerkennungsrichtlinie“: Umgang, Verfahren, Verantwortung – mit Impulsen zu Führung, Macht und Grenzverletzungen sowie zu rechtlichen Aspekten von Anerkennungsleistungen bei sexualisierter Gewalt.

Am 24. und 25. Februar 2026 kam die Westkonferenz des Kaiserswerther Verbandes in Freudenberg zusammen. Gastgeberin war die Stiftung Diakonissenhaus Friedenshort.

Im Mittelpunkt der Tagung stand der Umgang mit der kirchlichen Anerkennungsrichtlinie bei sexualisierter Gewaltin der Diakonie. Vor dem Hintergrund der in der evangelischen Kirche und Diakonie weiterentwickelten Anerkennungsverfahren wurde damit ein Themenfeld beraten, das für diakonische Träger sowohl rechtlich als auch organisatorisch hohe Sensibilität und klare Prozesse verlangt.

Zwei externe Impulse strukturierten das Programm: Am Dienstagnachmittag thematisierte die Journalistin und Autorin Dr. Lena Marbacher in einem Vortrag Führung und Verantwortung im Kontext von Macht, Missbrauch, Grenzverletzungen und organisationaler Kultur. Am Mittwochvormittag folgte ein Online-Vortrag von Dr. Max Mälzer, VdDD, zu rechtlichen Aspekten der sogenannten Anerkennungsleistungen.

Marbacher unterstrich, dass Macht in Organisationen nicht „per se“ problematisch ist – entscheidend sei, wo aus legitimer Leitung Grenzverletzung und Gewalt werden. Als Orientierung setzte sie den Satz: „Legitime Machtausübung hört da auf, wo Gewalt anfängt.“ Gewalt beschrieb sie als erzwungene Handlung gegen eine Person, die auf Verletzung zielt.

Für Prävention und Umgang mit Grenzverletzungen verwies sie auf die Bedeutung organisationaler Kultur: Kultur entstehe aus formalen und informalen Regeln. Ein Leitbild allein verändere Kultur nicht; nötig seien klare Regeln, Betroffenenorientierung und direkte Konsequenzen. Wer Fehlverhalten nicht sanktioniere, dulde es und stärke es damit. Als konkrete Handlungsfelder benannte sie u. a. regelmäßige Evaluation, klare Zuständigkeiten, Verhaltenskodizes, Moderation sowie Angebote von Prävention, Intervention und „Postvention“ (Aufarbeitung).
Dr. Max Mälzer stellte die vom Rat der EKD am 21. März 2025 einstimmig beschlossene „Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Anerkennung sexualisierter Gewalt“ vor. Ziel ist die bundesweite Vereinheitlichung der Anerkennungsverfahren und Leistungsmodelle in Gliedkirchen und diakonischen Werken sowie eine deutliche Verbesserung der Verfahren im Sinne betroffener Personen. Das Anerkennungsverfahren ist als eigenständiges Verfahren konzipiert und nicht mit zivil- oder disziplinarrechtlichen Verfahren gleichzusetzen, so Mälzer. Im Zentrum steht das Recht der betroffenen Person auf ein abgestimmtes Gespräch, ergänzt durch eine vereinheitlichte, niedrigschwellige Antragstellung und eine Plausibilitätsprüfung als Entscheidungsgrundlage.
Das Leistungsmodell sieht eine Kombination aus individueller Leistung – orientiert an einem Anhaltskatalog – und einer pauschalen Leistung in Höhe von 15.000 Euro bei strafbaren Taten vor. Neben der Möglichkeit von Teilzahlungen und erneuten Prüfungen bereits entschiedener Fälle ging Mälzer insbesondere auf Fragen der Gemeinnützigkeitskonformität ein: Anerkennungsleistungen seien grundsätzlich zulässig, sofern kirchliche Zwecke verfolgt und satzungsmäßig verankert sein. Formal sei zu beachten, dass kein Leistungsaustausch vorliege – eine Zahlung erfolge nicht aufgrund einer Rechnung und ohne Umsatzsteuerausweis –, sondern auf Grundlage einer ordnungsgemäßen Darlegung des Verpflichtungsgrundes.
Mit großem Dank wurde Thomas Lunkenheimer, Theologischer Vorstand der Diakonie Stiftung Salem, verabschiedet, dessen Amtsperiode als Vorstand der Westkonferenz endete. Als neue Vorsitzende wurde Martina Tirre, Kurhessisches Diakonissenhaus Kassel, gewählt. Das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden übernimmt Dagmar Nitschke, diakonis – Stiftung Diakonissenhaus Detmold.

Die nächste Westkonferenz 2027 wird in der Diakonie Michaelshoven, Köln, stattfinden.

Der Kaiserswerther Verband (KWV) steht für die Wahrnehmung diakonischer Aufgaben in der Tradition der Mutterhausdiakonie Kaiserswerther Prägung. Er engagiert sich in besonderer Weise um die Stärkung und Entwicklung diakonischer Identität und die Verwirklichung von Gemeinschaft in Diakonie und schafft Begegnungsräume zum Austausch über die gemeinsamen Werte. Seit über 100 Jahren bildet der KWV ein Netzwerk der diakonischen Kompetenz und der christlichen Nächstenliebe. Er vertritt die Mitglieder auf unterschiedlichen politischen, kirchlichen und diakonischen Ebenen und unterstützt sie in ihrer Vernetzung. Der KWV verbindet ca. 70 Diakoniewerke und deren Diakoniegemeinschaften in Deutschland.

Berlin, den 16. Januar 2026

Kontakt:
Pfarrerin Susanne Munzert,
Geschäftsführerin des Kaiserswerther Verbandes und Generalsekretärin der Kaiserswerther Generalkonferenz
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