"Die TagunG“ des Kaiserswerther Verbandes setzt in Bethel wichtige Impulse

Veröffentlicht am 20.03.2026

Geteilte Mission – gemeinsame Verantwortung: „Die TagunG“ des Kaiserswerther Verbandes setzt in Bethel wichtige Impulse für das Miteinander von Kirche und Diakonie.

Vom 17. bis 19. März 2026 hat der Kaiserswerther Verband (KWV) nach Bethel-Bielefeld zur Konferenz „Die TagunG – Diakonie, Theologie und Gemeinschaft“ eingeladen. Unter dem Titel „Geteilte Mission – gemeinsame Verantwortung“ widmete sich die Tagung im Haus Nazareth der Frage, wie Diakonie und Kirche in Zeiten des Wandels Profil, Nähe und Zukunftsfähigkeit gemeinsam gestalten können.

Gastgeber waren die Stiftungen Sarepta und Nazareth in Bethel. Mit dem Format führt der KWV die 2025 begonnene Reihe fort, in der theologische Reflexion, diakonische Praxis und Gemeinschaft bewusst zusammengedacht werden.

Die Konferenz brachte leitende Perspektiven aus Diakonie, Kirche, Bethel und Wissenschaft zusammen. Den Auftakt setzte Pfarrer Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland und Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung. Er plädierte, das Ringen um „wer wem gehört“ zu beenden: „Unsere Zukunft beginnt jenseits dieser Differenzen.“ Voraussetzung ist, dass Kirche sich bleibend ihrer diakonischen Dimension bewusst ist und Diakonie sich als Kirche versteht. Schuch entwarf das Bild einer diakonischen Kirche als Netzwerk. Die Kirche Jesu Christi ist diakonisch, politisch, ein Netzwerk aus verschiedenen Playern von Kirche und Diakonie, missionarisch als Erfahrungsraum der Liebe Gottes zu den Menschen und eine Verantwortungsgemeinschaft.

Das theologische Abendgespräch gestaltete Präses a.D. Dr. Annette Kurschus. Sie entfaltete die biblisch-theologischen Grundlegungen des Verhältnisses von Diakonie und Kirche. Alles Handeln in Kirche und Diakonie ist Ausfluss der Liebe Gottes, die den Menschen zukommt. Daher sei auch der Begriff des „Dienens“, von dem sich das Wort Diakonie ableitet, neu zu lesen. Spiegle der Dienst derer, die jemanden „bedienen“ immer ein Machtgefälle, so drehe sich das im christlichen Kontext. „Dient einander“ weise auf ein Füreinander auf Augenhöhe, das das Miteinander neu bestimme.

Pastorin Andrea Wagner-Pinggéra, Vorstandin der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel mit Verantwortung unter anderem für Sarepta und Nazareth, Hospizarbeit, Altenhilfe, Schulen und Hochschulen, Diakonisches Profil und Ethik, brachte Bethel als „Ort gelebter Kirche – Wie wir das sehen und machen und was uns herausfordert“ ein. Sie stellte das diakonische Profil und das reiche geistlich-spirituelle Leben in ihrem Unternehmen vor, das die eigene Tradition und gleichzeitig die kulturelle und religiöse Vielfalt in der Mitarbeitendenschaft und der Klient_innen ernst nimmt. „Wir stehen in einem Strom der Tradition ohne zu restaurieren und stellen uns der gewaltigen Aufgabe, unser diakonisch-theologisches Profil immer wieder neu zu erfinden und gestalten“, so die Theologin.

Anschließend konnten die Teilnehmenden in verschiedenen Workshops die konkrete Arbeit der diakonischen Bildung und Seelsorge und Verkündigung in Bethel kennenlernen.

Die kirchliche Perspektive ergänzte Ulf Schlüter, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen. Auch er betonte das nicht aufzugebende Verhältnis von Kirche und Diakonie. Kirche ist Diakonie und Diakonie ist Kirche. Beide haben das gleiche Wesen und denselben Auftrag, nämlich die Kommunikation des Evangeliums. Die Unterschiede liegen in ihren Organisationstrukturen und -logiken. „Die Chance der Kirche liegt in der Diakonie, dann hat sie auch eine Chance als Organisation.“

In seinem Abschlussreferat beschrieb Prof. Dr. Daniel Wegner, Professor für Diakonie und Soziale Arbeit im Sozialraum an der CVJM-Hochschule in Kassel und Referent für das Projekt „Zukunft evangelischer Jugendarbeiten“ der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, Kooperationen zwischen Diakonie und Kirche als zentrale Zukunftsaufgabe im Sozialraum. Auf der Grundlage eigener Forschungen zur Gemeinwesendiakonie zeigte er, dass gelingende Zusammenarbeit nicht bei institutionellen Zuständigkeiten stehenbleiben darf, sondern auf gemeinsame Verantwortung für den konkreten Lebensraum von Menschen zielt. Als entscheidende Kriterien benennt er Gelingen, Erfolg und Partizipation – also das gute Miteinander der Beteiligten, den tatsächlichen Mehrwert für den Sozialraum und die aktive Einbeziehung von Betroffenen, Freiwilligen und Bewohnerinnen und Bewohnern. In einer Praxisübung bekamen die Tagungsteilnehmenden einen guten Eindruck, wie die unterschiedlichen organisationalen und interaktionalen Logiken die konkrete Zusammenarbeit beeinflussen.

Zum Profil der Tagung gehörte wieder die enge Verbindung von fachlichem Austausch, konkreter Praxis und geistlichem Leben. “Für den Kaiserswerther Verband hat die Tagung erneut gezeigt, wie wichtig Räume sind, in denen Diakonie und Kirche einander theologisch, geistlich und organisatorisch begegnen”, resümierte Geschäftsführerin Pfarrerin Susanne Munzert. “Genau darin liegt ein Kern des Selbstverständnisses des KWV: diakonische Identität stärken, Gemeinschaft in Diakonie fördern und Orte schaffen, an denen gemeinsames Lernen, Nachdenken und Handeln möglich wird.”

Der Kaiserswerther Verband (KWV) steht für die Wahrnehmung diakonischer Aufgaben in der Tradition der Mutterhausdiakonie Kaiserswerther Prägung. Er engagiert sich in besonderer Weise um die Stärkung und Entwicklung diakonischer Identität und die Verwirklichung von Gemeinschaft in Diakonie und schafft Begegnungsräume zum Austausch über die gemeinsamen Werte. Seit über 100 Jahren bildet der KWV ein Netzwerk der diakonischen Kompetenz und der christlichen Nächstenliebe. Er vertritt die Mitglieder auf unterschiedlichen politischen, kirchlichen und diakonischen Ebenen und unterstützt sie in ihrer Vernetzung. Der KWV verbindet ca. 70 Diakoniewerke und deren Diakoniegemeinschaften in Deutschland.

Kontakt:
Pfarrerin Susanne Munzert,
Geschäftsführerin des Kaiserswerther Verbandes und Generalsekretärin der Kaiserswerther Generalkonferenz
Landhausstraße 10, 10717 Berlin
Tel.:+49.(0)30.8642.4170
E-mail: verband@kaiserswerther-verband.de
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