KWV-Kongress 2026: Diakonische Werte als Kompass für Entscheidungen in herausfordernden Zeiten

Veröffentlicht am 20.05.2026

Über 80 Teilnehmende diskutierten in Lutherstadt Wittenberg über Gemeinwohl, Wirtschaftlichkeit, Führung, Ethik und Zukunft der Diakonie.

Was ist Diakonie wert – und wie werden christliche Werte im Alltag komplexer Organisationen wirksam? Diesem Thema widmete sich der KWV-Kongress 2026 des Kaiserswerther Verbandes deutscher Diakonissen-Mutterhäuser e. V., der am 5. und 6. Mai in der Leucorea in Lutherstadt Wittenberg stattfand. Unter dem Leitwort „Werte leben. Zukunft gestalten.“ kamen mehr als 80 Führungs- und Leitungskräfte sowie Multiplikator*innen aus Mitgliedseinrichtungen des Verbandes zusammen.

In zwei intensiven Kongresstagen ging es um die Frage, wie diakonische Werte Orientierung geben können, wenn sich gesellschaftliche Erwartungen, ökonomische Rahmenbedingungen und institutionelle Anforderungen verändern. Die starke Resonanz, die konzentrierte Arbeit in den Workshops und die offene, kollegiale Atmosphäre zeigten: Der Bedarf an Austausch über Haltung, Verantwortung und praktische Entscheidungsfähigkeit ist groß.

Den ersten fachlichen Impuls setzte Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio mit seiner Keynote „Diakonie braucht Demokratie – oder umgekehrt?“. Der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht stellte den Zusammenhang von demokratischer Ordnung, Freiheit und diakonischer Verantwortung in den Mittelpunkt. Diakonie als eine „intermediäre Kraft“ bietet Räume, wo zwischenmenschliche Beziehungen bereitgestellt und eingeübt werden. Solche Räume sind unverzichtbar für freie und demokratische Gesellschaften. Denn der Staat kann diese nicht bieten. So muss Diakonie und Kirche auch über den Gottesglauben reden, der sie trägt. „Wenn Sie die christliche Botschaft nicht präsent halten in der Gesellschaft, brauchen wir sie irgendwann auch nicht mehr“, so Di Fabios provokante Aufforderung am Ende in der Diskussion mit dem Publikum.

Am zweiten Kongresstag sprach Prof. Dr. Andreas Suchanek unter dem Titel „Was ist (uns) Diakonie wert? – Über den Umgang mit Wertkonflikten“. Dabei wurde deutlich: Wertkonflikte – etwa zwischen Wirtschaftlichkeit und Fürsorge, Effizienz und individueller Zuwendung oder organisationalen Vorgaben und professioneller Verantwortung – lassen sich nicht durch einfache Antworten auflösen. Wichtig ist es, so Suchenek, zu „investieren“: Dinge zu tun, zu denen man nicht geneigt ist, die aber „gut“ sind und Dinge nicht zu tun, zu denen man geneigt ist, die aber nicht „gut“ sind. Gute Führung bedeute für ihn: „Inspire to investe“.

Die zwei Workshopphasen mit jeweils acht Angeboten griffen diese Perspektiven praxisnah auf. Die Themen reichten von KI in der Diakonie, der EKD-Mitarbeitsrichtlinie, Macht und Führung sowie dem Umgang mit Sterbewünschen und assistiertem Suizid bis hin zu Gemeinwohlökonomie, Leitbildprozessen, werteorientierten Teammeetings und dialogischer Unternehmenskultur. So entstanden Räume, in denen Erfahrungen aus diakonischen Einrichtungen, theologische und ethische Fragen sowie konkrete Führungsanforderungen miteinander ins Gespräch kamen.

„Der Kongress hat gezeigt: Werteorientierung in der Diakonie braucht konkrete Praxis im Umgang mit Menschen, in Führung, Zusammenarbeit, und Organisationsentwicklung“, so Susanne Munzert, Geschäftsführerin des KWV: „Wir haben in Wittenberg eine große Bereitschaft gespürt, diese Fragen gemeinsam zu bearbeiten – offen, praxisnah und mit dem Vertrauen, dass unser Netzwerk trägt.“
Neben dem Fachprogramm prägten Begegnung, gemeinsame Andachten und eine sehr gute Stimmung den Kongress. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, Kontakte im KWV-Netzwerk zu vertiefen, Erfahrungen auszutauschen und neue Impulse für die Arbeit in den eigenen Einrichtungen mitzunehmen.

Der Kaiserswerther Verband (KWV) steht für die Wahrnehmung diakonischer Aufgaben in der Tradition der Mutterhausdiakonie Kaiserswerther Prägung. Er engagiert sich in besonderer Weise um die Stärkung und Entwicklung diakonischer Identität und die Verwirklichung von Gemeinschaft in Diakonie und schafft Begegnungsräume zum Austausch über die gemeinsamen Werte. Seit über 100 Jahren bildet der KWV ein Netzwerk der diakonischen Kompetenz und der christlichen Nächstenliebe. Er vertritt die Mitglieder auf unterschiedlichen politischen, kirchlichen und diakonischen Ebenen und unterstützt sie in ihrer Vernetzung. Der KWV verbindet ca. 70 Diakoniewerke und deren Diakoniegemeinschaften in Deutschland.

Kontakt:
Pfarrerin Susanne Munzert,
Geschäftsführerin des Kaiserswerther Verbandes und Generalsekretärin der Kaiserswerther Generalkonferenz
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Tel.:+49.(0)30.8642.4170
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