Nachhaltige Wege in die Zukunft: Managementtagung des Kaiserswerther Verbandes in Berlin

Veröffentlicht am 20.11.2025

Unter dem Motto „Nachhaltige Wege in die Zukunft“ kamen vom 9. bis 11. November rund 40 Führungskräfte und Vertreterinnen und Vertreter diakonischer Einrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet zur Managementtagung des Kaiserswerther Verbandes im Berliner Change Hub zusammen. Im Mittelpunkt standen Strategien für eine zukunftsfähige Sozialwirtschaft, die Verbindung von Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sowie der Austausch über aktuelle rechtliche und ethische Entwicklungen.

Impulse zwischen Agilität und Verantwortung

Zum Auftakt sprach Tim Liedmann von Borchers & Kollegen über die „Kraft agiler und dynamischer Sozialunternehmen“ – und stellte die Frage, wie Organisationen in einem zunehmend komplexen Umfeld handlungsfähig bleiben können. „Agilität entsteht, wo Führung Vertrauen schenkt, Teams Verantwortung übernehmen und Lernen wichtiger ist als Perfektion“, betonte Liedmann. Entscheidend sei nicht die Größe eines Trägers, sondern die Fähigkeit, Wandel konstruktiv zu gestalten und Entscheidungen mutig zu treffen.

Dr. Silke Köser und Dr. Thomas Müller (contec GmbH) betonten in ihrem Beitrag „Nachfolge strategisch gestalten“ die Bedeutung einer frühzeitigen und strategischen Nachfolgeplanung. Oft werden Nachfolgeprozesse in sozialen Organisationen zu spät eingeleitet: „Wir brauchen in sechs Monaten einen neuen Vorstand – diesen Satz hören wir viel zu häufig“, so Köser. Frühzeitige Planung, klare Rollen zwischen Aufsicht und Geschäftsführung sowie eine reflektierte Auswahlkultur seien zentrale Erfolgsfaktoren.

Nachhaltigkeit in Praxis und Alltag

Wie Nachhaltigkeit konkret umgesetzt werden kann, zeigten mehrere praxisnahe Beiträge.
Rainer Roehl (a’verdis) hob hervor, dass biologische Lebensmittel nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und qualitativ sinnvoll sind. Mit Blick auf die neue Bio-Außer-Haus-Verpflegungsverordnung erklärte er: „Bio macht Sinn – ökologisch, ökonomisch und sozial“.

Torsten von Borstel (Green Guides GmbH) ergänzte diesen Ansatz mit seinem Vortrag „Was bringt ein veganer Bio-Burger, wenn er in der Tonne landet?“ und zeigte anhand aktueller Messdaten, wie digitale Analysen helfen können, Lebensmittelverschwendung in Großküchen um bis zu 30 % zu reduzieren.

Einen innovativen Akzent setzte Carolin Mühle (Helptech GmbH & Co. KG) mit der Präsentation des BionicBack-Exoskeletts. Das passive Unterstützungssystem wird unter anderem in der Diakonie Stiftung Salem erprobt und entlastet Pflegekräfte um bis zu 30 Prozent bei körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten. „Exoskelette sind mehr als Technik – sie schützen Gesundheit, steigern Lebensqualität und sichern Fachkräfte langfristig im Beruf“, sagte Mühle.

Jens Mühlenfeld und Torsten Schmitz (Procuratio) verdeutlichten anhand aktueller Untersuchungen, wie auch in der Gebäudereinigung Nachhaltigkeit und Effizienz Einzug halten können. Demnach kann vermehrte Trockenreinigung Ressourcen zu schonen, Kosten sparen und zugleich die Reinigungsqualität steigern.

Zum Abschluss stellte Burkhard Pape (Ecclesia Group / ecmobility) vor, wie Fuhrparks wirtschaftlich und nachhaltig gemanagt werden können – von Elektromobilität über Telematik bis hin zu Second-Life-Konzepten für Fahrzeugbatterien. Sein Fazit: „Nachhaltigkeit beginnt nicht beim Autokauf, sondern beim Denken in Lebenszyklen und im bewussten Umgang mit Ressourcen“.

Recht, Gemeinnützigkeit und Personalfragen im Fokus

Aktuelle Entwicklungen im Arbeits- und Gemeinnützigkeitsrecht erläuterten Dr. Max Mälzer (VdDD) und Andreas Jürgens (BDO Concunia). Mälzer stellte fest, dass die Entgeltentwicklung in der Pflege trotz tariflicher Anpassungen weiter unter Druck steht. Zugleich sprach er über die jüngsten Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zur Stärkung des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts.

Jürgens wiederum beleuchtete die Auswirkungen neuer EU-Vorgaben auf die Rechnungslegung gemeinnütziger Einrichtungen. „Nachhaltigkeitsberichterstattung wird auch für Non-Profit-Organisationen zunehmend relevant – sie ist mehr als ein Trend, sie ist Teil verantwortlicher Unternehmensführung“, betonte er.

Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven der Pflegeversicherung und der Gesetze zur Stärkung des Pflegepersonals

Dr. Albert Kern, Referatsleiter für Grundsatzfragen der Pflege und der Pflegeversicherung im Bundesministerium für Gesundheit, gab einen umfassenden Überblick über die Ziele der aktuellen Reformvorhaben im Bereich Pflege. Im Fokus stehen dabei die Stärkung der Kompetenzen von Pflegekräften sowie der Zukunftspakt Pflege. Viele, oft lang diskutierte Themen werden vom Gesetzgeber aufgenommen und umgesetzt, u.a. der bessere Zugang zu Präventionsleistungen im ambulanten Bereich, die Förderung gemeinschaftlicher Wohnformen und Entbürokratisierungsmaßnahmen.

Im Rahmen des Zukunftspakts Pflege wird weiterhin am Teilleistungsprinzip festgehalten. Kern hob hervor, dass die Präventions- und Rehabilitationsmöglichkeiten künftig besser genutzt werden können, um die Selbstständigkeit pflegebedürftiger Menschen zu erhalten. Zudem ist die Weiterentwicklung des Pflegevorsorgefonds ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen Ausrichtung.

Die diesjährige Managementtagung des Verbands war ein voller Erfolg und bot den Teilnehmenden eine wertvolle Plattform für fachlichen Austausch und strategische Orientierung. Die hohe Teilnehmerzahl und die engagierte Beteiligung verdeutlichten die Relevanz der behandelten Themen für die aktuelle und zukünftige Arbeit in den Organisationen.

Ansprechpartner/in

Pfarrerin Susanne Munzert
Kaiserswerther Verband deutscher Diakonissen-Mutterhäuser e.V.
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